11.07.2006
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TOURISMUS
Rheinbrücke bei Rheinau
Die neuste und letzte «Via»-Route führt über die Rheinbrücke bei Rheinau. Foto: zvg
Kulturwege Schweiz: Plattform für regionale Produkte
Mit der neuen und letzten Route, der «Via Rhenana», die von Konstanz bis Basel dem Wasserweg Rhein folgt, stehen nun alle zwölf «Schweizer Kulturwege» fest. Ab Herbst sollen entlang der Routen Packages geschnürt werden. Im Mai 2007 wird das Routennetz lanciert.

Von Christine.Kuenzler@htr.ch


Die «Kulturwege Schweiz», zwölf «Via»-Routen auf historischen Wegen und Strassen (siehe Karte), sind ein Paradebeispiel für sanften Tourismus. Zukunftsforscher sagen dem naturnahen Tourismus zweistellige Zuwachsraten voraus. Für Hansruedi Müller, Direktor des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus an der Uni Bern, sind die «Kulturwege Schweiz» ein «authentisches, zur Schweiz gehörendes Produkt, das unkopierbar ist.» Zudem passe dieses Angebot hervorragend zum zukunftsträchtigen Segment der Best-Agers. Initiantin der «Kulturwege Schweiz» ist «Via Storia», das Zentrum für Verkehrsgeschichte, ein Annexbetrieb der Uni Bern.
Für Geschäftsführer Hanspeter Schneider sind die Via-Routen in Bezug auf den touristischen Nutzen gleichwertig einzustufen wie beispielsweise die Themenrouten, die Schweiz Tourismus zusammengestellt hat. Denn sie verbinden bestehende lokale touristische Initiativen, Attraktionen der Kultur- und Naturlandschaft mit Angeboten regionaler Spezialitäten, wie beispielsweise Käse. Jeder Route sind lokale Wegnetze (Regio-Routen) angehängt, die sich auch für stationäre Gäste eignen. Damit wird jedes kleinste Tal erfasst – vorausgesetzt, die Wege erfüllen gewisse Qualitätskriterien.

Eine Chance für Hoteliers und Restaurateure
In das Projekt aufgenommen werden Hotels und Restaurants mit besonderer Atmosphäre und regionaltypischen Angeboten. Swiss Historic Hotels beispielsweise wird mit Via Storia zusammenarbeiten. Via Storia möchte Packages in verschiedenen Preisklassen anbieten können, die Übernachtung, Routeninformation, Gepäcktransport, Museumseintritte sowie Lunchpakete enthalten. Der Gast soll auf den Via-Routen sorglos wandern, gut essen und trinken, stilvoll übernachten und die Landschaft mit allen Sinnen geniessen können. Alle Routen sind in Etappen zu erwandern oder mit Velo und Mountainbike zu erfahren. Auch besteht die Möglichkeit, für gewisse Abschnitte auf öffentliche, historische oder private Verkehrsmittel umzusteigen.
Das Routennetz soll am 10. Mai 2007 mit einem grossen Event im Verkehrshaus Luzern eröffnet werden. Eine Projektgruppe wird ab Juli/August die Lancierung der verschiedenen Via-Routen vorantreiben. Für jede Route soll mindestens ein Package buchbar sein. Zielpublikum sind sowohl Wanderer und Biker als auch Kulturinteressierte. Für zwei Routen, die Via Spluga und die Via Stockalper, bestehen bereits Packages (vgl. Box), für die Via Valtellina läuft die Angebotsbildung an. Die Via Spluga besteht seit fünf Jahren und wird als eigenständiges Projekt geführt. Nun soll sie in das Netz von «Kulturwege Schweiz» integriert werden.

Zentrale Vermarktung aller Via-Routen
In der Schweiz gibt es hunderte von touristischen Initiativen. Sie können jedoch oft zu wenig effizient vermarktet werden, weil eine überregionale Plattform fehlt. «Kulturwege Schweiz» wird diese Lücke füllen. «Die Via-Routen werden die verschiedenen Produkte verbinden», so Schneider. «Es braucht jedoch mehr als nur eine Vernetzung auf Internet, es braucht auch die physische Vernetzung der Landschaft. Die Via Gottardi, die Via Cook und die Via Jacobi werden unter anderem auch in der neuen Swissarena im Luzerner Verkehrshaus physisch zu sehen sein.»
Ab 2007 werden die zwölf Kulturwege auf MySwitzerland.com von Schweiz Tourismus zentral vermarktet mit Infos zu Natur, Denkmälern – die Via Storia kann bezüglich Verkehrsgeschichte auf einen grossen Wissensfundus zurückgreifen –, regionalen Spezialitäten, Hotellerie und Gastronomie. Sieben der Via-Routen werden ebenfalls in das Projekt Schweiz Mobil integriert. Die Strecken werden zudem in Routenführern zusammengefasst. Sieben Wanderausstellungen – die ab Frühling 2007 buchbar sind – stehen Organisationen zur Verfügung, die beispielsweise Events zu den Kulturwegen durchführen möchten.

Das Erlebnismagazin soll auf die Routen einstimmen
Um Gäste und Touristiker auf die Routen «gluschtig zu machen», so Schneider, hat Via Storia das Erlebnismagazin «Kulturwege Schweiz» lanciert. Nach dem Wallis ist kürzlich das zweite Erlebnismagazin Bern – Freiburg – Solothurn in einer Auflage von 20 000 Exemplaren erschienen. Finanziert werden die ansprechenden Magazine, die die Region und die entsprechende Route vorstellen, zur Hälfte von den Kantonen und von den Inserenten.
Das Erlebnismagazin kommt offensichtlich gut an: «Interessierte Kantone haben sich bereits bei uns gemeldet», sagt Schneider. Verkauft werden die Hefte zu 8 Franken an BLS-Verkaufsstellen und in Verkehrsbüros der Kantone Wallis, Bern, Freiburg und Solothurn sowie direkt bei Via Storia. «Wir haben sogar eine Anfrage von einer Airline, die unser Erlebnismagazin auflegen will.»

An einer Zusammenarbeit interessierte Touristiker und Anbieter kontaktieren Marketing Via Storia,
E-Mail: daniela.morach@viastoria.ch.
Bereits buchbar: Via Spluga und Via Stockalper
Die Via Spluga ist seit 2001 buchbar. In diesem Jahr hatten 48 Gäste das Via-Spluga-Package erwandert. Im 2005 verkaufte Viamala Ferien, die Marketingorganisation von Splügen/Rheinwald, Andeer, Avers und Zillis-Schanferberg, bereits 282 Pakete und erzielte einen Umsatz von 431 324 Franken. Diese Packages generierten 4436 Logiernächte. Erfasst sind allerdings nur Packages, die über Viamala Ferien verauft worden sind. Die Splügener Tourismusdirektorin Denise Dillier geht davon aus, dass einige Gäste bei den Hotels direkt buchen oder einfach mal loslaufen und übernachten, wo sie gerade sind.
«In diesem Jahr haben wir mit 106 weniger Packages verkauft als in der gleichen Vorjahresperiode», zieht Denise Dillier Bilanz. Warum dem so ist, weiss sie nicht. Sie vermutet, es habe mit dem langen Winter zu tun und hofft, die fehlenden Buchungen kompensieren zu können. Bis jetzt verkaufte Viamala Ferien die meisten Packages nach Deutschland. «Doch es gibt immer mehr Schweizer Gäste, die die Via Spluga buchen», sagt sie. «Die Rückmeldungen der Gäste sind sehr gut. Auch die deutschen Medien haben sehr positiv über das Angebot geschrieben», sagt Denise Dillier. Das Standardpackage umfasst fünf Tage. «Doch wir schnüren jedes Paket, das der Gast wünscht.»
Erst seit Juni 2006 ist das Via-Stockalper- Package buchbar. Das Angebot beinhaltet eine Drei-Tages-Tour mit Übernachtungen, Lunch, Eintritten und zwei 4-Gang-Nachtessen. Im ersten Monat seines Bestehens haben bereits 10 Gäste die Route unter die Füsse genommen. 19 Packages sind im Buchungsstatus, wie Initiant Peter Salzmann, Besitzer von Alpevents.ch, bestätigt.
Dieser Beitrag ist in seiner Print-Fassung auch in der hotel+tourismus revue Nr. 27/28 vom 6.Juli 2006 auf der Seite 3 erschienen.



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