20. Mai 2010
Im Rahmen ihres kantonalen Beratungsauftrags für die Umsetzung des IVS im Kanton Luzern begleitet ViaStoria die Instandstellung des Alten Frutteggwegs in Schüpfheim (Entlebuch).
Der so genannte Alte Frutteggweg wurde 1872/73 erbaut und darf als eines der herausragendsten strassenbaulichen Denkmäler des Entlebuchs und seiner weiteren Umgebung bezeichnet werden. Seine Erbauung fiel in eine Zeit, in der die Landwirtschaft allgemein in einer grossen Krise steckte, von der allerdings der Käsehandel mit seinem Exportgeschäft weitgehend verschont blieb. Als Fahrweg zu den höher gelegenen Alpen an der Schafmatt wurde er denn auch in erster Linie für Transporte im Zusammenhang mit der Käseproduktion erbaut. Da ein Neubau der Verbindung 1957 in einer ganz neuen Linienführung erfolgte, blieb der Alte Frutteggweg mit seinen eindrücklichen Stützmauern bis heute erhalten.
Fehlende Nutzung, mangelnder Unterhalt und die Einflüsse der Witterung setzten dem Bauwerk allerdings zu und machten eine Restaurierung erforderlich. Der Bau der Strasse war einst sehr aufwändig: Sie führt durch abschüssiges Gelände und musste deshalb bergseitig stellenweise aus dem anstehenden Fels gebrochen werden. Ausserdem waren an drei Stellen tiefe Erosionsgräben zu überbrücken. Hauptsächlich aber mussten für die Strasse rund 275 Laufmeter talseitige Stützmauern mit einer Mauerfläche von rund 160 m2 errichtet werden, auf deren Hinterfüllung die 2,5–3 m breite Fahrbahn verläuft. Trotz der ursprünglich soliden Bauweise mussten viele dieser Trockenmauern jetzt wiederhergestellt werden. Dies musste unter schonendem Umgang mit der Umgebung, in handwerklich korrekter Ausführung und möglichst mit einheimischem Material durchgeführt werden. Für die zu rekonstruierenden Mauerpartien waren ca. 150 Tonnen Steinmaterial notwendig. Dafür konnte vom beauftragten Bauunternehmer nur gut 500 m nördlich des Eingangs zum Frutteggwald ein kleiner Steinbruch eröffnet werden, der einen optimal geeigneten Sandstein lieferte
Der Alte Frutteggweg wird durch die sachgerechte Instandstellung zu neuem Leben erweckt. Die weitgehend intakte Landschaft des UNESCO-Biosphärenreservats Entlebuch mit ihren Naturschönheiten bietet für viele Menschen aus der Zentralschweiz und den angrenzenden Kantonen ein nahe gelegenes Erholungsgebiet. Das Angebot, auf historischen Wegen in einer nachhaltig gepflegten Kulturlandschaft zu wandern, ist attraktiv und entspricht einem ausgewiesenen Bedürfnis. Da der Alte Frutteggweg nach der Instandstellung als Wanderweg signalisiert wird und eine gewichtige Lücke im Wanderwegnetz schliesst, fördert seine Wiederinstandstellung den sanften Tourismus, der mit sorgfältigem Marketing der Region langfristig materielle Vorteile bringt. Und auch die Bewirtschafter der vom Weg erschlossenen Trockenwiesen können aus dem Projekt einen direkten materiellen Nutzen ziehen. Nur die Restaurierung des Weges gewährleistet die Erschliessung dieser Wirtschaftsflächen auf Dauer; ausserdem entspricht die traditionelle Bewirtschaftung dieses Gebietes den Zielen des Naturschutzes und kann entsprechend im Rahmen eines Bewirtschaftungsvertrages abgegolten werden.
Ein ausführlicher Bericht erscheint in: Archäologie, Denkmalpflege, Geschichte. Jahrbuch 28/2010. Luzern: Historische Gesellschaft, 2011.
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Diese originale, trocken gemauerte Stützmauer des Alten Frutteggwegs ist durch drei handgeschmiedete Felsanker im Berg verankert. Deren Machart ist vorne links erkennbar: Der Kopf einer Rundeisenstange ist als Öse geformt, durch deren Auge ein kurzer Eisenknebel gesteckt worden ist. Eine Keilplatte sorgt für eine dichte Verbindung zwischen Knebel und Maueroberfläche und spannt den Anker.

Beispiel eines neu aufgeführten Stützmauerabschnitts mit eingebundenem Rest der älteren Mauer. |
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29. Januar 2010
Im Auftrag der Gemeinde Wartau SG leitet ViaStoria ein interdisziplinäres Projekt zur Wiederherstellung der Alten Schollbergstrasse zwischen Trübbach und Sargans.
Die Alte Schollbergstrasse (IVS-Objekt SG 3.1.3) wurde im Auftrag der Eidgenössischen Tagsatzung in den Jahren 1490–92 zur Fahrstrasse ausgebaut, um diese Schlüsselstelle der linksufrigen Rheintalstrasse für den Handelsverkehr passierbar zu machen und damit in Konkurrenz zur rechtsufrigen Strasse über den Luziensteig zu treten. 1822 wurde sie durch eine neue Strasse am Rheinbord ersetzt und verfiel seither zusehends. Ihre teilweise imposanten Reste sollen in einem Projekt, das auf mehrere Jahre ausgelegt ist, restauriert und in das Wanderwegnetz eingegliedert werden. Sie wird danach einen besonders eindrucksvollen Abschnitt der ViaRhenana bilden, die im Auftrag der St. Galler Behörden vom Bodensee bis nach Graubünden verlängert wird.
Zur Zeit werden die Forstarbeiten abgeschlossen, die der Freilegung des Trassees und der ökologischen Aufwertung seiner Umgebung dienen. Die anschliessende genaue topographische Aufnahme und Vermessung und eine archäologische Sondierungskampagne werden die Grundlagen für die Festlegung des definitiven Bauprogramms ergeben, dessen Ausführung für das Jahr 2010 vorgesehen ist. Das Projekt wird vom Kanton St. Gallen, von der Fachstelle IVS des Bundesamts für Strassen und voraussichtlich auch vom Fonds Landschaft Schweiz und von der Stiftung Pro Patria unterstützt.
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Hohe Stützmauern und ein Gewölbe tragen die Schollbergstrasse unter dem Felsüberhang der Howand.
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